Zwei Israel: Solidarität mit welchem ?
Mit welchem Israel solidarisieren Sie sich?
| | PGD + DPG |
11.06.12
von Raif Hussein
Offener Brief der Palästinensischen Gemeinde Deutschland e.V. (PGD) und der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft e.V. (DPG) zum Israel-Tag, der bundesweit als Solidaritätstag mit dem Staat Israel veranstaltet wird.
Zahlreiche Prominenz aus Politik und Gesellschaft hat sich als Gastredner an der bundesweiten Veranstaltung „Israel-Tag“ die von der Deutsch Israelischen Gesellschaft als Solidari-tätstag mit dem Staat Israel veranstaltet wird, angekündigt.
Ein Grund den Damen und Herren die Frage zu stellen:
Solidarisch zu sein, ist ein ehrenwerter Charakterzug. Fraglos. Ehren- und auch bewundernswert. Anders verhält es sich, wenn es um eine blinde, kritiklose und undifferenzierte Solidarität geht. Und genauso verhält es sich mit der Solidarität der Teilnehmer an der bevorstehenden Israel-Solidaritäts-Veranstaltung in verschiedenen deutschen Städten.
Mit Recht darf die Frage gestellt werden, mit welchem Israel sich die Teilnehmer denn tatsächlich solidarisieren. Insbesondere diejenigen, die Personen des öffentlichen Lebens sind und in ihrer Funktion politische Parteien und kirchliche Institutionen repräsentieren.
Israel ist vielfältig - gesellschaftlich, politisch und ethnisch. Die Veranstaltung blendet aber genau diese Vielfalt aus und fokussiert das offizielle, politische Israel. Jenes Israel nämlich, das von ultrarechten Politikern regiert und geführt wird.
- Solidarisieren Sie sich mit der israelischen Bevölkerung, die Woche für Woche in Ostjerusalem gegen die Judaisierung des arabischen Teils der Stadt protestiert?
- Solidarisieren Sie sich mit der israelischen Bevölkerung, die immer und immer wieder in Bili´n Seite an Seite mit gewaltfreien palästinensischen und internationalen Widerständlern gegen die Apartheidsmauer demonstriert?
- Solidarisieren Sie sich mit den israelischen Soldaten, die den Militärdienst im Besetzten Palästina aus Gewissens- und humanitären Gründen verweigern?
- Solidarisieren Sie sich mit den israelischen Künstlern, die sich weigern, in den rechtswidrig errichteten Siedlungen im besetzten Palästina aufzutreten?
- Solidarisieren Sie sich mit der palästinensischen Minderheit in Israel, die seit der Gründung des Staates Repressalien und rassistischen Gesetzen unterworfen ist?
Wenn Sie sich mit diesem Israel solidarisieren, dann haben Sie unser Verständnis und unsere Unterstützung. Denn das ist das Israel, das Frieden und Gerechtigkeit anstrebt und somit jede Form der Solidarität verdient.
Aber Sie nehmen jetzt an einer Veranstaltung teil, die Solidarität mit einem anderen, mit dem offiziellen und damit radikalen und brutalen Israel widerspiegelt. Ein Israel, das auf Siedlungsbau, Enteignung und Entrechtung setzt.
- Ein Israel, das sich seit Jahrzehnten über internationales Recht und internationale Beschlüsse hinwegsetzt. Ein Israel, das seit Jahrzehnten Landstriche anderer Staaten in der Region besetzt hält.
- Ein Israel, das seit über 64 Jahren das Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung und Rückkehr verhindert.
- Ein Israel, das jeglichen Friedensgedanken hinter Mauern sperrt und seit über fünf Jahren über eine Millionen Menschen in dem größten Freiluftgefängnis der Welt gefangen hält.
- Ein Israel, das die friedliche jüdische Religion ad absurdum führt und stattdessen rassistische Gesetze verabschiedet, die Minderheiten benachteiligt und ein Apartheidssystem langfristig manifestiert.
Sie solidarisieren sich mit einem Staat, der die Kriegstrommel immer wieder lauter schlägt, damit die soziale und politische Ungerechtigkeit in Israel und in dem von Israel besetztem Palästina nicht gehört wird.
Ein Israel, das von den meisten deutschen Staatsbürgern, als provozierender, feindseliger Staat angesehen wird. Sie solidarisieren sich mit einem Staat, der von der Mehrheit der Europäer als Kriegstreiber und Störer des Weltfriedens betrachtet wird.
Wollen Sie sich wirklich genau mit diesem Israel solidarisieren? Dann sind Sie auch ein Teil dieses Unrechtssystems und negieren gleichermaßen die demokratischen, menschenachtenden Regeln, auf denen Deutschland fußt.
http://www.tagesspiegel.de/politik/israel-wo-fluechtlinge-infiltranten-heissen/6727000.html
VON: RAIF HUSSEIN
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