Ein andalusischer Kommunist schwört einen Eid
Bei den andalusischen Parlamentswahlen hat die Vereinigte Linke, deren stärkster Teil die kommunistische Partei ist, die Zahl ihrer Mandate verdoppeln können. Die Kalkulation der Rechten, die Wut über die sozialdemokratische PSOE, die in der Krise alles für die Kapitalisten und nichts zugunsten der Arbeitenden getan hat, werde ihr die absolute Mehrheit bescheren, ist nicht aufgegangen. Ein Teil der Unzufriedenen wandte sich nicht nach rechts, sondern nach links zur IU.
Unter den IU-Mandataren sind wackere Leute, so der Lehrer Sanchez Gordillo, der in seinem Dorf, dem ziemlich bekannten Marinaleda ( http://kritische-massen.over-blog.de/article-marinaleda-ein-sozialistisches-dorf-in-andalusien-54671289.html ), seit mehr als drei Jahrzehnten Bürgermeister ist.Als das Parlament sich konstituierte, ging es ans Schwören der Abgeordneten. Dafür gibt es eine Eidesformel. Ich kenne sie nicht, wette aber einen andalusisches Abgeordneten-Gehalt gegen meinen Stundenlohn, dass es sich um irgendetwas Staatstragendes, Feierliches handelt, das symbolisch aus dem von den Wählern gegebenen Mandat den höheren Auftrag des Dienstes am Staat macht. Und was macht Gordillo aus der würdigen Zeremonie ? - Er schwört nicht irgendeine Formel, sondern macht sich seinen eigenen Text und spricht ihn feierlich, angetan mit einem kanadischen Holzfällerhemd und einem Palästinenesertuch, vor dem Hohen Hause. Der Text lautete:
»Aufgrund der gesetzlichen Bestimmung verspreche ich und verpflichte ich mich, mit all meinen Kräften den Schuldigen für Arbeitslosigkeit, Korruption und die Wirtschaftskrise Schuldigen zu stürzen, der niemand anderes als die kapitalistische Produktionsweise ist. Deshalb erkläre ich mich für im Widerstand gegen die Diktatur des Marktes, seiner Rezepte und Befehle befindlich. Ich verpflichte mich zudem, mit allem Mut für diese Nation ohne Souveränität zu kämpfen, die Andalusien ist, und schließlich verpflichte ich mich dazu, in diesem Parlament und auf der Strasse denen eine Stimme zu geben, die keine Stimme haben. Es leben das freie Andalusien!« (zitiert nach http://www.redglobe.de/europa/spanien/5110-amtseid-gegen-den-kapitalismus )
Die PSOE-Sozialdemokraten haben ein Problem: Allein können sie nach den schweren Stimmenverlusten nicht mehr regieren. Zusammen mit der IU schon. Aber mit Leuten wie Gordillo regieren ? Leuten im Widerstand gegen das Allerheilgste, den Markt ? Leuten, die denen eine Stimme geben, die doch keine haben sollen ? - Vielleicht ist es da doch staatstragender, mit den Rechten von der PP eine grosse Koalition zu machen ? Die eigene Partei würde dabei vor die Hunde gehen, das schon. Aber was tut man nicht alles für die Demokratie, die die Kommunisten gemeinerweise "kapitalistische Produktionsweise" nennen ?! Es wäre nicht die erste Selbstaufopferung einer sozialdemokratischen Partei für die westliche Wertegemeinschaft.