Kandhar und My Lai
Vor 44 Jahren begingen US-Militärs in Vietnam ein Verbrechen, das zu einem der Symbole des Vietnamkriegs wurde - das Massaker von My Lai. Ein ganz ähnliches Verbrechen - mit weniger Toten, aber ganz im selben Geiste - begingen sie gerade in Afghanistan: link . CathrinKa hat dazu diesen Eintrag in ihr Blog gestellt: http://cathrinka.blog.de/2012/03/19/vergessen-klang-violine-my-lai-13215281/ .
Bei aller Ähnlichkeit ist nicht zu vergessen, dass der US-Imperialismus seit Vietnam in Sachen Massaker grosse "Fortschritte" gemacht hat. Nicht einzelne Massaker von durchgedrehten besoffenen GIs sind das Typische, sondern das coole punktgenaue Morden per Knopfdruck in perfekt gestylten Kommandozentralen. Irgendein Offizier, der nach Dienstschluss in sein Auto steigt und zu seiner Familie im adretten Vorstadt-Häuschen heimfährt, gibt die Befehle in seinen Computer ein. Den Rest erledigt die Drohne auf der anderen Seite des Planeten. Papi, was hast du denn heute gemacht ? - Ach, nichts besonderes. Business as usual.
Auch die Leute, die noch vor Ort killen, sind andere geworden. In Vietnam waren das wehrpflichtige junge GIs, denen das besetzte Land zur "grünen Hölle" wurde. Die nicht befohlenen, sondern aus eigener Initiative angerichteten Massaker begingen Leute, die angesichts der Allgegenwart des vietnamesischen Widerstands jeden Tag selber Todesangst hatten, gegen die sie sich gewöhnlich mit Drogen und Alkohol immunisierten, um eines Tages "durchzudrehen" und einfach jeden Vietnamesen niederzumetzeln, der ihnen vor Gewehrlauf und Messer kam, egal, ob Mann, Frau oder Baby, jedes Schlitzauge halt.. Heute sind die GIs ausnahmslos Berufskiller, Söldner, die "ihren Job machen". Die imperialistische Überheblichkeit ist geblieben, die Verachtung gegenüber den "Eingeborenen", die "befriedet" werden müssen, die Wut und der Hass, wenn diese sich wehren. Aber die heutige US-Armee ist diese Melange aus dem barbarischen dünkelhaften Korpsgeist der Militärführung, aus dem heraus der Krieg als Ingenieurskunst betrieben wird, und der barbarischen Primitivität von Lumpenproletariern, die man in Uniform gesteckt und denen man die natürliche Tötungshemmung abtrainiert hat, damit sie die "Drecksarbeit" vor Ort machen. Die Moral, die dabei herauskommt, ist keine andere als die der Söldnerhaufen des Dreissigjährigen Kriegs.
Denen, die das Massaker von My Lai begangen haben, ist nicht viel passiert, wie aus CathrinKas Beitrag hervorgeht. Denen von Kandhar wird auch nicht viel passieren. Mag allenfalls sein, dass man einen opfert, um den Schein zu wahren. Aber die Herrschenden in den USA zahlen für die Verbrechen, die letzten Endes ihnen anzulasten sind, einen hohen Preis - den Abscheu der ganzen Welt vor dem US-Imperialismus. Das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" ist tot. Es ist zum Land der unbegrenzten Schrecklichkeiten geworden.