USA - Hegemon auf toenernen Fuessen
Fuer das Jahr 2010 wird damit gerechnet, dass das Haushaltsdefizit der USA 1350 Milliarden Dollar erreichen wird. 2009 waren es 1420 Milliarden. In zweckoptimistischen Schaetzungen soll dieses jaehrliche Defizit bis 2015 auf dann noch 480 Milliarden sinken. Dazwischen liegen vier Jahre, in denen sich die Schulden des US-Staats noch einmal um, der Groessenordnung nach, 3 000 oder 4 000 Milliarden vergroessern werden. Die Gesamtsumme der gegenwaertigen Verschuldung betraegt im Juni dieses Jahres um 13 000 Milliardenen, was 93 % des Jahres-BIP entspricht. Darin sind aber die Buergschaften fuer die Hypothekenfinanzierer nicht eingerechnet. Diese eingerechnet, kommt man auf 110 % des BIP. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht nur der US-Staatshaushalt in dieser Hoehe verschuldet ist, sondern das die USA ein riesiges und jedes Jahr wachsendes Zahlungsbilanzdefizit mit dem Ausland aufweisen, d. h. wesentlich mehr an Waren und Dienstleistungen verbrauchen, als sie selbst erzeugen.
Die zusaetzliche jaehrliche Staatsverschuldung entspricht in etwa den jaehrlichen Gesamtausgaben fuer das Militaer. MIt anderen Worten: Die USA koennten sich eigentlich keinen einzigen Soldaten leisten. Die mit grossem Abstand teuerste Armee der Welt ist eine Armee auf Pump. Aber die USA geben fuer ihre Streitkraefte mehr aus als die naechstfolgenden 13 Staaten - Deutschland, China, Russland, Frankreich, UK, Italien, Spanien, Japan, Brasilien, Israel, Saudi-Arabien, Iran. Mehr als die Haelfte der weltweiten Militaerausgaben entfallen auf die USA.
Dem steht eine Wirtschaftsleistung gegenueber, die - in BIPauf Basis internationaler Dollar gerechnet - im Jahr 2009 14 256 Milliarden entspricht. Das ist ein Anteil am Welt-BIP von 2009, das sich nach dieser Berechnung auf 69 8008 Milliarden belaeuft, von gut 21 %. Das ist weniger als das EU-BIP, das 2009 14 794 Milliarden Dollar betrug.
Mehr als die Haelfte der weltweiten Militaerausgaben also, aber nicht viel mehr als ein Fuenftel der Weltwirtschaftsleistung - dieses Verhaeltnis markiert das Dilemma des Imperiums. Der Hegemonie-Anspruch bleibt unveraendert. Aber er ist oekonomisch von Jahr zu Jahr weniger begruendet.
Um diese "Luecke" zu schliessen, bleibt nur ein Mittel: die Politik und, als deren ultima ratio, ihr bewaffneter Arm - das Militaer, in letzter Konsequenz der Krieg.
Die zunehmende Radikalitaet und Bedenkenlosigkeit, mit der sich die USA seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert ueber jedes Voelkerrecht hinwegsetzt, ist nicht nur der groesseren aussenpolitischen Bewegungsfreiheit nach dem Untergang der SU geschuldet, sondern auch der zunehmenden eigenen Schwaechung. Der Zyklop wankt und schlaegt deswegen desto wilder um sich.
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Update:
Zu diesem Text erhielt ich einen Kommentar, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Rolle der Militaerausgaben in einem schiefen Licht dargestellt wird. Ich stimme dem Kritiker zu und bitte, den Text zusammen mit dem Kommentar zu lesen:
schon erschreckend diese Tatsachen, andererseits möchte ich darauf aufmerksam machen, dass sich die USA seit dem zweiten Weltkrieg eigentlich im Zustand der Kriegswirtschaft befinden. Die Armee selbst ist ein wirtschaftlicher Fakt, sie dient nicht nur dazu Interessen des Imperiums gegenüber anderen durchzusetzen, sondern sie ist Bestandteil des Reproduktionsprozesses, des Wirtschaftskreislaufes selbst. Die von Dir genannten Zahlen belegen dieses eigentlich sehr anschaulich. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass man es verstand, sich gerade auch mit Hilfe der Kriegswirtschaft aus den Krisen der dreißiger Jahre zu retten. Wo andere Volkswirtschaften nach dem zweiten Weltkrieg dieses Wirtschaften erst einmal wieder in den Hintergrund rückten oder rücken mussten, machten die USA ungehindert und ungebremst weiter. Dieses fand nicht nur Ausdruck in den verschiedensten Kriege, welche die USA führten, sondern auch in der Politik des Hochrüstens gegenüber der Sowjetunion und dem sozialistischen Lager. Welches letztlich zwar nicht dazu führte die sozialistische Staatengemeinschaft militärisch zu schwächen, aber sie wirtschaftlich ruinierte. Krieg ist zwar die Fortsetzung der Politik mit anderen Mittel, aber auch eine hocheffiziente Methode des Konsums! So geht es heute auch weniger darum Kriege zu gewinnen, sondern in erster Linie darum Kriege zu führen!
Deine Aussage: „Mehr als die Haelfte der weltweiten Militaerausgaben also, aber nicht viel mehr als ein Fuenftel der Weltwirtschaftsleistung - dieses Verhaeltnis markiert das Dilemma des Imperiums. Der Hegemonie-Anspruch bleibt unveraendert. Aber er ist oekonomisch von Jahr zu Jahr weniger begruendet.“ belegt dieses eigentlich. Wobei ich dem letzten Satz dieser Aussage widersprechen möchte. Denn gerade die von Dir genannte „Disproportion“ begründet den Hegemonieanspruch ökonomisch, wenn berücksichtigt wird, dass Krieg ein Bestandteil des Wirtschaftskreislaufs selbst ist!